WM in Seefeld Doping-Skandal: In Erfurt (Deutschland) sei das illegale Dopinglabor ausgehoben. Video: Geheimsache Doping – Blutdoping in Deutschland

„Operation Aderlass“ – Doping-Razzia bei Ski-WM in Seefeld mit neun Festnahmen

Die Ski-WM im österreichischen Seefeld hat ihren Doping-Skandal. Das Bundeskriminalamt in Wien teilte mit, dass in Österreich und Deutschland neun Personen festgenommen und 16 Hausdurchsuchungen durchgeführt wurden. In einer ersten Pressekonferenz teilte die Polizei mit, dass der Hintergrund der Razzia Eigenblutdoping betreffe.

In einer Pressemitteilung hatte das Österreichische Bundeskriminalamt (BK) vorab mitgeteilt, dass nach monatelangen Ermittlungen „wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken (…) eine in Deutschland ansässige kriminelle Organisation um den Sportmediziner Dr. Mark. S. ausgeforscht werden“ konnte.

Mark S. wurde in Erfurt, im Freistaat Thüringen, zusammen mit einem Komplizen festgenommen. Zeitgleich wurden am WM-Austragungsort Seefeld zwei österreichische, ein kasachischer und zwei estnische Spitzensportler verhaftet sowie zwei Polizeispitzensportler aus dem österreichischen Nationalkader „Langlauf/Nationalmannschaft“, die sich derzeit in der polizeilichen Grundausbildung befänden. Dies teilte das BK Österreich mit.

Verdacht Eigenblutdoping

Auf einer Pressekonferenz in Seefeld erklärte Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck: „Es geht um den Verdacht des Eigenblutdopings. Wir sind auf der Suche nach dem Sportmediziner und dessen Komplizen. Es haben sich konkrete Hinweise ergeben, dass der Arzt in Seefeld hier Sportler auf nicht regelkonforme Art und Weise behandelt.“

Sportler auf frischer Tat mit Transfusion im Arm gestellt

Dieter Csefan vom BK konkretisierte, es sei gelungen, einen Sportler auf frischer Tat zu stellen. Er sei noch mit einer Bluttransfusion im Arm aufgegriffen worden. Es wurden Blutampullen und Blutkonserven sowie Utensilien und Materialien sichergestellt, die für Eigenblutdoping benötigt würden. In Erfurt sei das illegale Dopinglabor ausgehoben worden.

Geständnisse von Ex-Langlauf-Star Johannes Dürr waren wohl ausschlaggebend

Ausschlaggebend für die Initiative zu dieser Razzia sei „eine Zeugenaussage eines ehemaligen Langläufers“ gewesen, erklärte Dieter Csefan vom BK Österreich, zunächst noch um möglichst neutrale Angaben bemüht. Allerdings wurde schon nach wenigen Minuten bei Nachfragen klar, dass die Initialzündung für die Razzia eine kürzlich ausgestrahlte TV-Dokumentation mit dem Whistleblower und ehemaligen österreichischen Skilangläufer Johannes Dürr gewesen ist, der des Dopings überführt worden war und in der Fernsehreportage umfangreiche Aussagen gemacht hatte. Das habe die österreichischen Behörden motiviert, Kontakt zur Staatsanwaltschaft München aufzunehmen.

Erfurter Dopingring wohl seit mindestens fünf Jahren weltweit aktiv

Die habe das Zollfahndungsamt München, Außenstellte Lindau, eingeschaltet, und zusammen mit den österreichischen Kolleginnen und Kollegen seien dann insgesamt 120 Polizeibeamte in Österreich und Deutschland im Einsatz gewesen. Dieter Csefan vom BK teilte mit, dass der Verdacht bestünde, dass die kriminelle Vereinigung um den verhafteten Sportarzt seit mindestens fünf Jahren weltweit Spitzensportler gedopt habe.

Verbandsfunktionär fordert harte Strafen

Der Langlaufkoordinator des Österreichischen Skiverbandes ÖSV, Trond Nystad, forderte in einer ersten Stellungnahme im ORF harte Strafen, sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen. Der österreichische Langläufer Luis Stadlober, dessen Vater als Experte im ORF die Ski WM kommentiert, erklärte sein vergleichsweise schlechtes Abschneiden damit, dass die Razzia ihn beeinflusst habe, eine gute Leistung sei unter den Umständen nicht möglich gewesen.

(Sputnik)

Doping-Skandal: „Mit Transfusion im Arm ertappt“

Geheimsache Doping – Blutdoping in Deutschland

Der österreichische Ski-Langläufer Johannes Dürr redet als erster Wintersportler öffentlich über Blutdoping in Deutschland. Sein Weg hat ihn damals sogar bis an den Rand des Selbstmords gebracht.

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