Brüssel ermittelt: Deutschland und zwölf weitere EU-Länder vom Gammelfleisch-Skandal betroffen

Der EU droht ein neuer Fleischskandal. Ein Reporter-Team machte in Polen ein Schlachthof ausfindig, in dem kranke Tiere schlachtet und zum Export verarbeitet wurden. Derzeit sollen 13 EU-Länder betroffen sein. Die EU-Kommission schickt Ermittler nach Polen.

Der Fleischskandal aus Polen weitet sich aus und beschäftigt nun auch die EU-Kommission. Alles begann mit einem Bericht des polnischen Nachrichtensenders TVN24 über skandalöse Praktiken in einem Schlachthaus in der Woiwodschaft Masowien. Dort sollen heimlich nachts kranke Rinder angeliefert und geschlachtet worden sein. Ein Reporter der TV-Sendung Superwizjer hatte sich bei der Firma mehrere Monate als Arbeiter eingeschleust und mit versteckter Kamera Aufnahmen gemacht.

Tumore und Abszesse einfach weggeschnitten 

Es sind erschreckende Bilder entstanden. Darauf ist unter anderem zu sehen, wie jene Tiere, die offenbar zu krank waren, um zu laufen, mit Seilwinden aus dem Tiertransporter herausgezogen wurden. Die illegale Schlachtung soll laut dem Bericht meist in den Nachtschichten stattgefunden haben. Den Rindern sollen Tumore und Abszesse einfach weggeschnitten worden sein. Es fanden keine weiteren tierärztlichen Kontrollen statt. Ein Informant erzählte dem Sender, dass das Fleisch ohne weitere Untersuchungen mit Stempeln als für den Verzehr unbedenklich ausgezeichnet und verpackt wurde. Danach wurde es in den Umlauf gebracht.

Inzwischen ist klar, dass mindestens 13 EU-Länder von dem Fall betroffen sind. Nach bisherigem Stand handelt es sich dabei – neben Polen – um Deutschland, Frankreich, Spanien, Estland, Finnland, Ungarn, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei, Schweden und Portugal. Das Ausmaß ist noch nicht vollends klar. Die Liste der betroffenen Länder könne sich noch ändern, erklärte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag.

Die Brüsseler Behörde hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Am Montag sollten Kontrolleure nach Polen reisen, um die Situation zu analysieren, erklärte die Sprecherin. Die betreffende Fabrik sei mittlerweile geschlossen, das Fleisch werde zurückverfolgt und vom Markt genommen.

In der Slowakei soll das Fleisch sogar in die Schulküchen gelangt sein 

Knapp 800 Kilogramm verdorbenes Fleisch sollen etwa nach Frankreich gelangt sein, sagte der französischen Landwirtschaftsminister Didier Guillaume dem Sender CNews am Freitag. Von den 795 Kilo Fleisch seien rund 150 Kilo bereits sichergestellt und eingezogen worden, so Guillaume. Nach den restlichen Mengen wird nun gesucht. Es sei aber unklar, ob verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt oder in einem Kühlschrank aufbewahrt sei.

Das ist ein fürchterlicher Betrug, ein wirtschaftlicher Betrug, ein gesundheitlicher Betrug eines polnischen Schlachthofs”, sagte der französische Minister dem Sender.

In der Slowakei wiederum sind mindestens 300 Kilogramm Rindfleisch offenbar in den Handel und sogar in Schulküchen gelangt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur mit Verweis auf das Agrarministerium in Bratislava. Regierungschef Peter Pellegrini wandte sich mit einer Videobotschaft an alle Schulleiter der Slowakei und forderte sie auf, in ihren Schulküchen kein Importfleisch mehr zu erlauben.

Inzwischen kündigte Tschechien an, intensive Kontrollen von importiertem Rindfleisch aus Polen durchzuführen. Polens Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski meldete sich inzwischen zu Wort und sprach von einem Einzelfall. Dieser Betrug schade dem Ruf polnischer Lebensmittel enorm, kritisierte er. Warschau kündigte als Reaktion verschärfte Kontrollen von Schlachtbetrieben an.

(RT)

Neuer Fleischskandal Kranke Kühe geschlachtet, als „gesund“ verkauft

Ein neuer Fleischskandal erschüttert Europa. In einem inzwischen gesperrten Schlachthof in Polen wurden Tausende kranke und verletzte Rinder geschlachtet und als gesund verwertet. Neben Knochenbrüchen litten die Tiere aber auch an Tumoren oder Abszessen, die einfach aus dem Fleisch geschnitten wurden. Etwa 9,5 Tonnen des als „gesund“ deklarierten Fleisches gelangten aus dem Schlachthof in Umlauf, zwei Drittel davon in Länder der EU. Die EU-Kommission hat bereits Ermittlungen eingeleitet.

Aufgedeckt wurde der Skandal durch die Undercover-Recherche eines polnischen TV-Teams. Ein Reporter hatte sich bei der Firma als Arbeiter eingeschleust. Videoaufnahmen zeigen, wie kranke, verletzte und bereits verendete (!!) Kühe in dem Schlachthaus in der Woiwodschaft Masowien heimlich bei Nacht angeliefert und verwertet werden. Die Tiere werden mit Seilwinden von Lkws gezerrt und noch lebend aufgehängt. Quälende Minuten vergehen, bis ein Schlachter ihr Leiden endlich beendet.

Hier können Sie den Bericht von TVN24 nachsehen. Achtung, der Beitrag enthält verstörende Aufnahmen!

„Illegales Prozedere ohne Veterinäraufsicht“
Zu keinem Zeitpunkt ist ein Tierarzt anwesend. Der Leiter des polnischen Hauptveterinäramts, Pawel Niemczuk, bestätigte die rechtswidrigen Praktiken: „Das war ein illegales Prozedere in der Nacht, als es keine Veterinäraufsicht gab.“ Die Behörden nahmen das Fleisch und die Produkte vom Markt, schlossen eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen jedoch aus. Das Fleisch und daraus erzeugte Produkte könnten verzehrt werden, teilten das polnische Veterinär- und Sanitäramt nach Untersuchungen mit. Polens Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski sprach von einem Einzelfall. Dieser Betrug schade dem Ruf polnischer Lebensmittel enorm, kritisierte er. Warschau kündigte als Reaktion verschärfte Kontrollen von Schlachtbetrieben an.

Polish companies at the heart of a food safety scandal sold nearly 10 tonnes of suspect meat to food processing plants,…

Gepostet von TVN24 News in English am Donnerstag, 31. Januar 2019

13 Länder in und außerhalb der EU betroffen
Mindestens 13 Länder sind betroffen, Österreich wurde nicht genannt. Laut EU-Kommission sind nach bisherigem Stand außer Polen auch Deutschland, Frankreich, Spanien, Estland, Finnland, Ungarn, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei, Schweden und Portugal betroffen. Das endgültige Ausmaß des Skandals ist noch nicht vollends klar, hieß es. Kontrolleure aus Brüssel reisen am Montag nach Polen, um die Situation zu analysieren, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag mit.

Betroffene Staaten setzen erste Maßnahmen
Nach Frankreich sind laut Landwirtschaftsminister Didier Guillaume rund 800 Kilogramm verdorbenes Fleisch gelangt, 150 Kilo davon wurden sichergestellt. Ob verdorbenes Fleisch auch in den Handel kam, sei bisher nicht klar. Tschechien kündigte intensive Kontrollen von importiertem Rindfleisch aus Polen an. In der Slowakei sind mindestens 300 Kilogramm Rindfleisch offenbar in den Handel und sogar in Schulküchen gelangt, hieß es aus dem Agrarministerium in Bratislava. Regierungschef Peter Pellegrini richtete eine Videobotschaft an alle Schulleiter der Slowakei, in ihren Schulküchen kein Importfleisch mehr zu erlauben.

Eine Fleischabteilung in Frankreich

Zuletzt hatte 2013 ein Fleischskandal die EU erschüttert – ein Großhändler hatte 50.000 Tonnen nicht deklariertes Fleisch aus den Niederlanden in mehrere europäische Länder verkauft. Wie sich später herausstellte, war darunter nicht kontrolliertes Pferdefleisch, welches auch in die Lebensmittelproduktion gelangt war. In Österreich wurden damals etwa in Rindfleisch-Tortelloni Pferdefleisch gefunden.

Kaum Fleischimporte nach Österreich
Österreich hat, was Fleisch angeht, einen hohen Selbstversorgungsgrad, was bedeutet, dass mehr produziert als konsumiert wird. Laut dem Statistik-Portal Statistika deckt Österreichs Fleischprduktion den Eigenbedarf aktuell zu 109 Prozent. Deswegen wird kaum Fleisch importiert, sehr wohl allerdings Produkte, die aus Fleisch gefertigt wurden, wie z.B. Fertiggerichte.

KRONE.at
Michaela Braune