Krätze (Skabies) auf dem Vormarsch! Wir haben Steigerungen von 40 Prozent bis 130 Prozent! Überwiegend in Städte mit hohem Migrantenanteil

Viele Jahre war es still geworden um die Krätze. Doch jetzt kehrt sie zurück, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Städte wie Berlin, Düsseldorf, Duisburg und Aachen vermelden laut Hautärzten und Gesundheitsämtern zunehmende Fallzahlen.

Die Barmer Krankenkasse hat die Zahlen der verordneten Krätze-Medikamente ausgewertet. Das Ergebnis: “Es ist ein Phänomen in allen Bundesländern”, erklärt Norbert Sudhoff von der Barmer Krankenkasse. “Wir haben Steigerungen von 40 Prozent bis über hundert Prozent in einem Bundesland.” Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein. Dort stiegen die Verordnungen der Krätze-Medikamente um fast 130 Prozent.

Woher aber kommt der Anstieg der Krankheitsfälle? Eine oft zu hörende Erklärung: Flüchtlinge, die häufig unter schlechten hygienischen Bedingungen nach Deutschland gekommen sind, hätten die Krätze eingeschleppt.

Migrationsbewegungen von vielen Menschen verlangen in Bezug auf die Skabies besondere Wach­sam­keit. Einer­seits stammen insbesondere Asyl­suchende häufig aus Ländern, in denen die Prävalenz der Skabies hoch ist, andererseits erhöhen die Verhältnisse während der Flucht das Risiko, dass Krätze­milben von einer Person auf andere Personen übertragen werden. Drittens handelt es sich bei diesen Personen häufig um Kinder und Jugendliche und damit eine besonders vulne­rable Bevölkerungs­gruppe. Vermut­lich ist die Prävalenz von Skabies bei ankom­menden Flücht­lingen höher als in der hiesigen Bevölkerung.

Ansteckung mit Skabies: So wird Krätze übertragen

Die Sorge vor Krätze geht um. Hygiene kann eine Ansteckung leider nicht verhindern. Genau wie bei Läusen erfolgt die Übertragung von Mensch zu Mensch.

Angesichts der gehäuften Krätzefälle in Deutschland sind viele Menschen verunsichert und fragen sich, wie sie sich und ihre Kinder am besten vor Krätze (Skabies) schützen können. Sauberkeit kann eine Ansteckung leider nicht verhindern, da die Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) genau wie Läuse unempfindlich gegenüber Wasser und Seife sind.

Dass die von Parasiten ausgelöste Infektionskrankheit mit schlechten hygienischen Bedingungen in Verbindung gebracht wird, liegt eher daran, dass Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, häufiger an Krätze leiden. Das hat damit zu tun, dass hier meist viele Personen auf engstem Raum zusammenleben.

Krätze wird von Mensch zu Mensch übertragen

Denn der Hauptüberträger von Krätze ist der Mensch. Die sogenannten Skabiesmilben werden bei engem Hautkontakt übertragen. Deshalb verbreitet sich Krätze am schnellsten dort, wo Menschen nahe zusammenrücken: in Kindergärten, Schulen, Sammelunterkünften. Aber auch in der Altenpflege werden die Milben von Mensch zu Mensch übertragen. Das Risiko für eine Ansteckung ist sowohl bei den Personen, die in den Einrichtungen leben, als auch bei denen, die dort arbeiten, erhöht. Außerdem kann eine geschwächte Immunabwehr das Risiko für eine Ansteckung mit Krätze steigern. Einem erhöhten Ansteckungsrisiko sind zum Beispiel Patienten mit Autoimmunerkrankungen, Diabetes oder einer HIV-Infektion ausgesetzt oder Menschen, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen müssen.

Infektionsweg

In der Regel wird die Skabies durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Die Über­tragung eines einzigen begatteten Milben­weibchens oder mehrerer, geschlechtlich unterschiedlich deter­minierten Larven reichen für eine Infestation aus.

Krätze, Keuchhusten, Masern, Tuberkulose: Nicht erst durch den Zuzug von über einer Million Schutzsuchenden bereiten sich Krankheiten in unserem Land aus, die eigentlich der Vergangenheit angehören sollten.

Doch darüber zu reden, geschweige denn zu schreiben, scheint heutzutage wiederum ein Tabu zu sein.

Das, was für 2016 galt, gilt heute noch viel mehr:

Die unverdächtige FAZ schrieb: »Tuberkulose, Bandwürmer, gefährlich verdrehter Darm, Hautleiden – Flüchtlinge bringen oft aus ihrer Heimat im Gastland wenig verbreitete Krankheiten mit.«

Und weiter: Die Flüchtlingskrise stellt die Medizin vor Herausforderungen, für die sie sich erst noch rüsten muss (…)Viele der Erkrankungen, die man bei Flüchtlingen diagnostiziert, betreffen den Magen-Darm-Trakt und die Leber. Dazu zählt etwa die Tuberkulose des Darmes und des Bauchfells (…) Bei der Hälfte der Krankheiten von Migranten handelt es sich um Infektionen, nicht selten mit in Deutschland kaum verbreiteten Parasiten (…)

Aber auch Skabies, eine durch die Krätzmilbe verursachte, aber nur wenig infektiöse Hauterkrankung ist zwischenzeitlich weit verbreitet.

Reisewarnung für Berlin! Immer mehr Berliner erkranken an Krätze

Berlin. Es juckt, dass man aus der Haut fahren könnte: Krätze, unter Fachleuten Skabies genannt, kann jeden treffen. Die Hautkrankheit war in Deutschland praktisch ausgerottet. Doch nun ist sie wieder auf dem Vormarsch, auch in Berlin. Weiterlesen auf berliner-zeitung.de