Wenn Erwachsene mit Puppen spielen: Deutschlands im Baden-Württembergischen Speyer eröffnet Sexpuppen-Bordell

Von Valentin Raskatov Sexpuppen: Sie sind lebensecht und willenlos. Sie halten für jede Phantasie her und geben keine Widerworte. Sie sind der gummigewordene Alptraum jeder Feministin. Und nun haben sie ihr eigenes Bordell im Baden-Württembergischen Speyer eröffnet. Sputnik hat mit dem Besitzer des Etablissements gesprochen.

Das Rotlichtmilieu hat einen schalen Beigeschmack: Zwang, Zuhälterei und Gewalt  schwingen immer mit, wenn die Rede auf Prostitution kommt. Aber auch in Fällen, bei denen Menschen aus freien Stücken der Sexarbeit nachgehen, stellt sich die Frage, ob es richtig ist, für das Intimste Geld zu verlangen und Geld zu bezahlen.

Aber wie verhält es sich mit diesen Fragen, wenn einen im Bordell statt Menschen aus Fleisch und Blut Puppen aus Gummi und Metall erwarten? Diese Frage wirft das Dollhaus in Speyer auf – das erste reine Sexpuppen-Bordell Deutschlands.

Für die, die keinen Platz für Sexpuppen haben

Die Idee sei ihm beim Fernsehen gekommen, erzählt Raphael Abelmann, Besitzer des Sexpuppen-Bordells, im Sputnik-Interview. In der Sendung ging es um Sexpuppen. „Da ist mir aufgefallen, dass das Interesse groß ist. Aber vielen Männer ist es nicht möglich, sich solche Puppen für zuhause anzuschaffen – aus finanziellen Gründen oder aus Platzgründen oder wegen der Ehepartnerin oder den Kindern.“ Also schuf Abelmann mit dem Dollhaus einen Ort für die neugierigen und experimentierfreudigen Männer da draußen.

Und so sehen die Puppen aus, die im Dollhaus „arbeiten“:

„Seinen Phantasien freien Lauf lassen“

„Der Sex mit einer Puppe ist passiv. Die Puppe macht natürlich nichts. Aber sie gibt auch keine Widerworte oder falsche Illusionen“, schildert Abelmann die Dollhaus-Erfahrung. Der Vorteil: Man wisse genau, worauf man sich einlasse und: „Man kann seinen Phantasien freien Lauf lassen.“

Grenzen gibt es dabei für diese Phantasien fast keine. Einzige Bedingung: „Die Puppen dürfen natürlich nicht beschädigt werden.“ In anderen Worten: Es darf schon gewalttätig und erniedrigend hergehen. Ein Umstand, der Feministinnen auf die Barrikaden steigen lässt. Der Vorwurf: Damit wird die Frau vom Mann noch mehr als Objekt des Mannes betrachtet.

Abelmann hält nichts von solcher Kritik und hält dem entgegen: „Vielleicht ist es gar nicht schlecht, weil es ein Ventil sein kann für manche Männer, dass sie ihren Phantasien freien Lauf lassen können und ihre eigene Sexualität ausleben können. Und vielleicht verhindert das eher, dass so etwas an echte Frauen geht.“ Er hält diese Form im Gegensatz zu richtiger Prostitution, von der er sich klar distanziert, sogar für „relativ human“.

Puppen-Hygiene: „Ausgespült mit desinfizierendem Shampoo“

Zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten liegen in jedem Zimmer Kondome, Gleitmittel und andere „Utensilien“ bereit, erläutert der Sexpuppenbordellbesitzer. Die Puppen selbst werden aber auch nach jedem Besucher einer Hygiene-Prozedur unterzogen: „Die Puppen werden nach jeder Benutzung innen wie außen komplett mit desinfizierendem Shampoo ausgespült, komplett abgeduscht und abgetrocknet. Sie sind nach jedem Benutzer wie neu“, so Abelmann.

Der Preis ist nicht ohne: Ab 60 Euro pro halbe Stunde soll der Besucher hier für seine Silikonpartnerin blättern. Es gebe auch Überlegungen, eine transsexuelle Puppe anzuschaffen, ebenso eine Mannpuppe für Frauen oder Homosexuelle, merkt Abelmann an. Von Sexrobotern hält er auf dem jetzigen Stand dagegen nicht viel: „Es werden einfach zu viele Bezugspersonen für diese Puppe mit künstlicher Intelligenz benötigt. Die kommen dann durcheinander.“