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Kannibalismus, Enthauptungen, Massenvergewaltigungen

Kriegsgräuel im Kongo Uno-Experten legen schockierenden Bericht vor

Kannibalismus, Enthauptungen, Massenvergewaltigungen: Laut einem Uno-Bericht verüben Milizionäre und Soldaten in der kongolesischen Krisenregion Kasai immer grausamere Kriegsverbrechen.

Achtung! Dieser Text enthält verstörende Einzelheiten.

“Was in Kasai passiert ist, lässt sich nicht in Worte fassen”, sagt die kongolesische Menschenrechtsministerin Mari-Ange Mushobekwa. Ein Expertenteam hatte im Auftrag der Uno ein Jahr lang die Lage in der Krisenregion in der Demokratischen Republik Kongo untersucht.

In einem 126-seitigen Bericht listet die Kommission Menschenrechtsverletzungen auf, die in dem seit Ende 2016 schwelenden Konflikt zwischen Kamuina-Nsapu-Rebellen, der regierungsnahen Bana-Mura-Miliz und Truppen der kongolesischen Armee FARDC begangen worden sein sollen. Laut den Experten sollen alle beteiligten Parteien grausame Kriegsverbrechen begangen haben.

“Ein Opfer erzählte uns von einer Gruppe von Rebellen, die im Mai 2017 weibliche Genitalien als Abzeichen getragen haben sollen”, heißt es in dem Bericht. Ganze Dörfer seien zerstört worden, Jungen sollen gezwungen worden sein, ihre Mütter zu vergewaltigen. “Andere Zeugen beobachteten Leute dabei, wie sie Fleisch von noch lebenden oder toten Menschen, insbesondere FARDC-Soldaten, abgeschnitten, gekocht und gegessen sowie ihr Blut getrunken haben.”

Kindersoldaten in Massengräbern

Chef-Ermittler Bacre Waly Ndiaye berichtete von einem Vorfall, bei dem mindestens 186 Männer und Jungen aus einem Dorf von Kamuina-Nsapu-Truppen geköpft worden seien. Unter den Rebellen seien viele Kindersoldaten gewesen, die zum Großteil unbewaffnet in den Kampf geschickt worden seien und denen eingeredet wurde, dass sie durch magische Kräfte unbesiegbar wären.

FARDC-Einheiten hätten reihenweise Kindersoldaten erschossen. “Die Leichen wurden in Massengräbern beerdigt oder auf Lastwagen aufgetürmt und an andere Orte gebracht, um sie dort zu begraben”, sagte Waly Ndiaye.

Bislang gingen die Experten von 86 Massengräbern aus, nach Bodenuntersuchungen vermuten sie aber, dass es mehrere hundert Gräber geben soll. “Wir haben davon keine Kenntnis, das ist sehr sonderbar”, sagte ein Regierungsvertreter und bezeichnete die Veröffentlichung des Berichts als “politisch motivierte Pressekampagne”.

Der Konflikt in der Kasairegion war im August 2016 ausgebrochen, nachdem Chief Kamuina Nsapu gegen Präsident Joseph Kabila aufbegehrt hatte und daraufhin von der Polizei getötet worden war. Laut Verfassung hätte Kabila 2016 nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit abtreten müssen, weigert sich aber bis heute, die fälligen Wahlen anzusetzen.

Im März 2017 hatten Vertreter der katholischen Kirche ihre Versuche abgebrochen, zwischen der Regierung und der Opposition zu vermitteln. Durch die Konflikte, die Tausende Todesopfer gefordert haben, sind Millionen Menschen auf der Flucht, im Dezember warnte UNICEF, dass mindestens 400.000 Kindern in der Region vom Hungertod bedroht seien.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Mari-Ange Mushobekwa sei Menschenrechtsaktivistin und habe dem Expertenteam angehört, das im Auftrag der Vereinten Nationen die Lage in der Krisenregion in der Demokratischen Republik Kongo untersucht hatte. Richtigerweise handelt es sich bei Mushobekwa um die kongolesische Menschenrechtsministerin. In dieser Funktion nahm die Politikerin zum Bericht Stellung. Wir haben den Fehler korrigiert.

mmm/rtr